Der narrative Charakter – der Essayismus zu einem wirklichen Willensakt macht – ist der bedeutsamste Aspekt von Musils Essayismus. Das Buch verfolgt das Anliegen, Musils Konzept des Essayismus als eine Erlösung der Welt vor dem Hintergrund der modernen Krise zu interpretieren. So widmet es sich, indem es im Akt des literarischen Erzählens die vorgegebenen Begriffe wie ›Welt‹ und ›Wirklichkeit‹ dekonstruiert, der Etablierung einer neue Ordnung durch eine synthetische Denkweise und eine narrative Geste des Mitmachens. Mit dieser These sind die Argumente verknüpft, dass erstens das Konzept des Essayismus über eine Denkfigur verfügt, die sich vom dualistischen Denkparadigma unterscheidet, und dass zweitens Begriffe wie ›Welt‹ oder ›Wirklichkeit‹ in der Moderne nicht mehr als homogene Begriffe zu verstehen sind. Musil hat ausgehend von seinem Konzept des Essayismus mit seinem narrativen Akt ein neues existentielles Modell hervorgebracht, nach dem allein der Roman bzw. das ästhetische Erzählen als aktive, partizipatorische Wort- und Weltkonstruktion betrachtet werden kann. In diesem Sinne wäre literarisches Erzählen eine grundlegende Aktivität der Menschheit.
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Autor*in:
Reihe:
Band 957 in Epistemata LiteraturwissenschaftSprache:
Deutsch
Format:

Rassenmutter und Rebellin : Hexenbilder in Romantik, völkischer Bewegung, Neuheidentum und Feminismus

Ach, nur ‘n bisschen Liebe : Männliche Homosexualität in den Romanen deutschsprachiger Autoren in der Zwischenkriegszeit 1919 bis 1939

Spuren : Karl Philipp Moritz in der Literatur und Kultur um 1800

»Schon liefert meine Muse mir mit süßlicher Stimme ihr Thema; es lautet: Mensch ohne Leib, sowie Leib ohne Mensch«

Natur und Nation : Landschaft als Ausdruck nationaler Identität im 19. Jahrhundert – der Rhein und der Hudson River

Ehe um 1800 : Ein Beitrag zur Wissensgeschichte

Neofantastik : Die Evolution fantastischen Erzählens im 20. Jahrhundert

Ko-Operationen : Zur literarischen Produktionsgemeinschaft von Clemens Brentano und Luise Hensel

Die Kunst der Selbstoffenbarung bei Deborah Levy und Annie Ernaux : Form, Funktion und Grenzen autobiografischer Exposition

Sprache als Musik? : Die Normierung des Sprechens und die Deklamationsbewegung um 1800

Ehe, Familie und Emanzipation : Erfolgsromane von Frauen zwischen 1850 und 1900
