Essays 21 : Mark Twain, Poesie und das Mikrofon.

Geboren in der ehemaligen britischen Kolonie Indien verlief das Leben von George Orwell alles andere als geradlinig. Er besuchte Schulen in Indien und England, beherrschte mindestens zwei gebräuchliche Sprachen Indiens, arbeitete in diversen Gelegenheitsjobs, trieb sich als Landstreicher in England herum, studierte unter Aldous Huxley, verdiente sich als Polizist in Indien, nahm am spanischen Bürgerkrieg als Freiwilliger auf Seite der Republikaner teil und arbeitete Seite an Seite mit Ernest Hemingway als Kriegsberichterstatter. Als junger Mann stand er zwar kommunistischen Ideen offen gegenüber und in seinen frühen Texten finden sich auch antisemitische Vorurteile, doch mit der Zeit und in reiferen Jahren distanzierte sich Orwell öffentlich und in seinen schriftstellerischen Werken ohne Wenn und Aber von seinen jugendlichen Dummheiten. Womöglich durch die brutale Fremdherrschaft des Empires über Indien und durch Stalins organisierten Staatsterror und Massenmord angewidert entwickelte er sich zu einem überzeugten sozialistischen Demokraten, der alle Machtorgane von möglichst vielen Menschen organisiert und Machtumsetzung immer auf möglichst vielen Schultern verteilt sehen wollte. Einen großen Teil seiner prosaischen Werke bilden seine Essays ab, hier Teil 21. In "Mark Twain" wird deutlich, dass auch ein George Orwell nicht immer richtig liegt. Aus Gründen, die unseren Wissensstand sprengen, stellt er darin vieles richtig dar, leider vergaloppiert er sich dabei an der einen oder anderen Stelle – was soll man sagen, niemand ist perfekt...... In "Poesie und das Mikrofon" charakterisiert Orwell das Verhältnis zwischen Radio und Staat und beschreibt dessen Funktion für die Massen bzw. die Gesellschaft, wobei er einen eleganten Bogen zu allen anderen Kunstformen spannt, deren künstlerische Produkte laut Orwell um so eher von einem Staatsorgan veröffentlicht werden je besser geeignet diese für das aktuelle politische Klima sind. Sehr interessant sind die Stellen, an welchen er die einmalige künstlerische Qualität des gesprochenen ästhetischen Wortes vergleicht in Bezug auf eine öffentliche und nicht öffentliche Umsetzung.

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