"Fanny Burney – Sämtliche Romane" versammelt das erzählerische Gesamtwerk einer Autorin, die den englischen Gesellschaftsroman entscheidend mitgeprägt hat: von "Evelina" über "Cecilia" und "Camilla" bis zu "The Wanderer". In wechselnden Formen – insbesondere im Briefroman, in dialogreicher Szenenführung und satirischer Gesellschaftsschilderung – untersucht Burney die Erziehung, ökonomische Abhängigkeit und moralische Selbstbehauptung junger Frauen. Ihre feine Ironie verbindet die Tradition der komischen Sittenromane mit der empfindsamen Literatur und weist zugleich auf den realistischen Roman des 19. Jahrhunderts voraus. Hinter höfischen Umgangsformen, Bällen und familiären Intrigen werden soziale Machtverhältnisse und die Widersprüche zwischen individueller Freiheit und gesellschaftlicher Erwartung sichtbar. Frances Burney (1752–1840) schrieb aus genauer Kenntnis der englischen Oberschicht und ihrer literarischen Öffentlichkeit. Ihr Debüt "Evelina" erschien anonym und wurde zu einem viel beachteten Erfolg; später bewegte sie sich in aristokratischen und höfischen Kreisen und war zeitweise als Hofdame tätig. Diese Erfahrungen schärften ihren Blick für Rang, Geschlecht und Konvention. Zugleich prägen psychologische Beobachtung, persönliche Krisen und die Grenzen weiblicher Autorschaft ihr Werk. Burneys Romane sind daher sowohl kunstvolle Unterhaltungsprosa als auch Dokumente einer Epoche im sozialen Wandel. Die Gesamtausgabe empfiehlt sich allen, die die Entwicklung des englischen Romans aus erster Hand nachvollziehen möchten. Sie eröffnet ein differenziertes Panorama von Alltag, Gefühlen und Macht im georgianischen England und macht Burneys anhaltende literarische Bedeutung sichtbar. Leserinnen und Leser finden hier Witz, Spannung und gesellschaftskritische Schärfe ebenso wie eindringliche Charakterstudien.

Fanny Burney - Sämtliche Romane : Englische Gesellschaftsromane über weibliche Erziehung, höfische Gesellschaft, Rang, Vermögen und Geschlechterordnung
Geschrieben von Frances Burney










