Edlef Köppens "Heeresbericht" ist einer der formal kühnsten deutschen Antikriegsromane der Zwischenkriegszeit. Im Zentrum steht der junge Kriegsfreiwillige Adolf Reisiger, dessen anfängliche Begeisterung im industrialisierten Stellungskrieg des Ersten Weltkriegs zerbricht. Köppen verbindet erzählende Passagen mit amtlichen Kommuniqués, Zeitungsnotizen, Befehlen, Liedern und Propagandafloskeln zu einer dokumentarischen Montage. Gerade diese Konfrontation von individueller Wahrnehmung und offizieller Sprache entlarvt die Rhetorik militärischer Sinnstiftung. Köppen, 1893 geboren, kannte den Krieg nicht aus zweiter Hand: Er meldete sich freiwillig, kämpfte an der Westfront, wurde verwundet und kehrte mit Erfahrungen zurück, die sein späteres Schreiben prägten. Als Journalist und Rundfunkredakteur verfügte er zudem über ein genaues Gespür für Medien, Stimmen und ideologische Formeln. "Heeresbericht" entstand aus dieser doppelten Kompetenz: persönlicher Kriegserfahrung und kritischer Analyse öffentlicher Kommunikation. Empfohlen sei dieses Buch allen Leserinnen und Lesern, die Kriegsliteratur nicht als bloßes Zeugnis, sondern als literarisch reflektierte Erkenntnisform begreifen möchten. Neben Remarque und Renn verdient Köppen besondere Aufmerksamkeit: Sein Roman zeigt, wie Sprache selbst zum Schlachtfeld wird.

Heeresbericht : Ein Antikriegsroman über Westfront, Schützengraben und den Kriegswahnsinn der Materialschlacht
Geschrieben von Edlef Köppen

