Martin Luthers Sprichwörtersammlung dokumentiert das tiefe Interesse des Reformators an der bildkräftigen, volkstümlichen deutschen Alltagssprache seiner Zeit. Neben seiner epochalen Bibelübersetzung, die die neuhochdeutsche Schriftsprache entscheidend prägte, sammelte und verwendete Luther zahlreiche Sprichwörter, Redewendungen und volkstümliche Weisheiten, die er teils in eigenen Schriften zitierte, teils gesondert zusammentrug und kommentierte. Diese Sammlung spiegelt Luthers besonderes sprachliches Gespür wider: Er verstand es meisterhaft, komplexe theologische und moralische Sachverhalte in einprägsame, für einfache Menschen verständliche Formulierungen zu übersetzen – eine Fähigkeit, die auch seiner Bibelübersetzung ihre bis heute nachwirkende sprachliche Kraft verlieh. Für die historische Sprachwissenschaft und Volkskunde sind Luthers gesammelte Sprichwörter eine wichtige Quelle, um die gesprochene deutsche Alltagssprache des frühen 16. Jahrhunderts sowie den engen Zusammenhang zwischen reformatorischer Theologie und volkstümlicher Rhetorik nachzuvollziehen.











