Francis Bacons "Neu-Atlantis" entwirft in der Form einer unvollendet gebliebenen utopischen Erzählung das Gemeinwesen Bensalem, dessen Ordnung auf methodisch betriebener Erkenntnis, religiöser Mäßigung und dem Gemeinwohl verpflichtetem Wissen beruht. Im Zentrum steht das "Haus Salomons", eine Institution organisierter Forschung, die Naturbeobachtung, Experiment und technische Anwendung verbindet und damit Bacons Programm einer erneuerten Wissenschaft exemplarisch veranschaulicht. Stilistisch verbindet der Text Reisebericht, Staatsutopie und philosophische Prosaskizze; literarisch steht er an der Schwelle zwischen Renaissancehumanismus und frühneuzeitlicher Wissenschaftskultur. Bacon, Staatsmann, Jurist und einer der prägenden Theoretiker des Empirismus, schrieb das Werk vor dem Hintergrund tiefgreifender Umbrüche in Politik, Religion und Naturerkenntnis des 17. Jahrhunderts. Seine Erfahrung in der englischen Regierung, seine Reflexion über die Grenzen scholastischer Gelehrsamkeit und sein programmatisches Eintreten für induktive Methode erklären die besondere Gestalt dieses Buches. "Neu-Atlantis" ist daher nicht bloß Fiktion, sondern die imaginative Verdichtung seines philosophischen Gesamtprojekts. Zu empfehlen ist dieses Werk allen, die die geistigen Ursprünge moderner Forschung, die Geschichte der Utopie und das Verhältnis von Wissen, Macht und Moral verstehen möchten. Wer Bacons Text liest, begegnet einer knappen, aber außerordentlich folgenreichen Vision, deren Fragen bis in die Gegenwart reichen.











