Adolf Eberts "Allgemeine Geschichte der Literatur des Mittelalters im Abendlande" ist eine großangelegte, quellennahe Darstellung der europäischen Schriftkultur vom frühen Mittelalter bis an die Schwelle der Neuzeit. Im Mittelpunkt stehen nicht allein Werke und Autoren, sondern auch die geistigen, religiösen und sprachlichen Voraussetzungen ihrer Entstehung: lateinische Gelehrsamkeit, volkssprachige Dichtung, höfische Literatur, geistliche Texte und die Wechselwirkungen zwischen romanischen, germanischen und kirchlichen Traditionen. Ebert verbindet philologische Genauigkeit mit einem literaturgeschichtlichen Überblick und ordnet Einzeltexte in größere Entwicklungslinien ein. Damit steht das Werk im Kontext des 19. Jahrhunderts, als die Literaturwissenschaft durch Historisierung, Quellenkritik und die Erforschung nationaler wie gesamteuropäischer Traditionen ihr modernes Fundament erhielt. Adolf Ebert (1821–1890) war ein bedeutender deutscher Romanist und Literaturhistoriker. Seine wissenschaftliche Arbeit war von der Überzeugung geprägt, dass mittelalterliche Literatur nur im Zusammenhang ihrer Überlieferung, Sprachen, Institutionen und kulturellen Kontakte angemessen verstanden werden kann. Als Kenner insbesondere der romanischen Literaturen verband er vergleichende Perspektiven mit sorgfältiger Textarbeit. Sein Hauptwerk entstand somit aus dem Bestreben, die vielfach getrennt behandelten Literaturen des Abendlandes in einer gemeinsamen historischen Gesamtschau sichtbar zu machen. Dieses Buch empfiehlt sich allen, die mittelalterliche Literatur nicht als Sammlung isolierter Klassiker, sondern als dynamisches Geflecht europäischer Ideen- und Sprachgeschichte begreifen möchten. Es ist zugleich ein anspruchsvolles Dokument der Wissenschaftsgeschichte und ein grundlegendes Nachschlagewerk für Studierende, Forschende und historisch interessierte Leser.

Allgemeine Geschichte der Literatur des Mittelalters im Abendlande : Alle 3 Bände
Geschrieben von Adolf Ebert











