Der Liebe Lust und Leid der Frau zur Frau : Die Geschichte einer verbotenen Liebe

"Der Liebe Lust und Leid der Frau zur Frau" ist ein im späten 19. Jahrhundert entstandener erotischer Roman, der die gleichgeschlechtliche Liebe zwischen Frauen im Spannungsfeld von Ästhetizismus, Gesellschaft und Moral verhandelt. Bereits der Auftakt ist provokant: Ein Zeitungsbericht über einen Obszönitätsprozess gegen das Werk wird einem Vorwort gegenübergestellt, das sich auf Sappho beruft und die folgende Geschichte als warnendes Beispiel vor fehlgeleiteter "Frauenliebe" rahmt. Diese doppelte Perspektive – moralische Distanz und zugleich sinnliche Faszination – prägt den gesamten Roman.

Im Mittelpunkt steht die kultivierte und wohlhabende Ich-Erzählerin Felicita, eine empfindsame Ästhetin, die auf einem Maskenball der betörenden Edita begegnet. Aus Bewunderung entsteht rasch eine leidenschaftliche Verbindung, die von gemeinsamer Kunstverehrung, inniger Nähe und gesellschaftlicher Abschottung getragen wird. Doch ihre Beziehung bleibt nicht frei von Spannungen: Während eines Aufenthalts an einem Seebad gerät Felicita unter den Einfluss der verführerischen Comtesse Eugénie, was Editas Eifersucht entfacht. Eine Versöhnung im Schloss Editas am Rhein vertieft zwar ihr Band, doch auf einer späteren Italienreise werden sie in eine dekadente aristokratische Gesellschaft eingeführt, in der Neugier, Eifersucht und Inszenierung miteinander spielen. Begegnungen mit einer Sängerin, der Ehefrau eines Industriellen sowie später mit einer venezianischen Marchesa erweitern das Panorama weiblicher Lebensentwürfe zwischen Leidenschaft, Berechnung und künstlerischer Selbstverwirklichung.

Der Roman gilt als klassisch, weil er eines der frühen literarischen Zeugnisse weiblicher Homoerotik in Europa darstellt und zugleich die Doppelmoral seiner Zeit offenlegt. Zwischen Bekenntnisliteratur, Gesellschaftsroman und Skandaltext schwankend, spiegelt er die Faszination wie auch die Angst des Fin de Siècle vor sexueller und sozialer Grenzüberschreitung. Seine Bedeutung liegt weniger in moralischer Wertung als in der literarischen Sichtbarmachung eines lange tabuisierten Begehrens.

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