Goethes Drama "Iphigenie auf Tauris" gehört zu den zentralen Werken der Weimarer Klassik. Nach der mythologischen Vorgeschichte wurde Iphigenie, Tochter des Agamemnon, kurz vor ihrer rituellen Opferung von der Göttin Diana entrückt und dient seither als Priesterin auf der Insel Tauris, wo König Thoas von ihr verlangt, alle Fremden, die die Insel betreten, den Göttern zu opfern. Als ihr eigener Bruder Orest, verfolgt von den Rachegöttinnen wegen des Mordes an der gemeinsamen Mutter Klytämnestra, gemeinsam mit seinem Freund Pylades auf der Insel gefangen genommen wird, gerät Iphigenie in einen tiefen Gewissenskonflikt zwischen der geforderten rituellen Pflicht und ihrer eigenen humanen Wahrhaftigkeit. Statt zu einer List zu greifen, entscheidet sie sich, König Thoas die volle Wahrheit zu offenbaren – ein Vertrauensakt, der ihn letztlich dazu bewegt, sie und ihren Bruder ziehen zu lassen. Goethe verwandelte den blutigen antiken Mythos in ein humanistisches Ideendrama über die zivilisatorische Kraft von Wahrhaftigkeit, Vertrauen und Menschlichkeit gegenüber archaischer Vergeltungslogik.











