Über dieses Buch

In Mary Marston entfaltet George MacDonald einen viktorianischen Roman von ausgeprägt moralisch-spiritueller Tiefenschärfe, der häuslichen Realismus mit religiöser Reflexion verbindet. Im Zentrum steht eine junge Frau, deren Gewissen, Liebesfähigkeit und innere Standhaftigkeit in familiären und gesellschaftlichen Prüfungen Gestalt gewinnen. MacDonald entwickelt die Handlung weniger über sensationelle Wendungen als über seelische Bildung, dialogische Erörterung und eine behutsame Ausleuchtung ethischer Konflikte. So steht das Werk im Kontext des englischen 19. Jahrhunderts, berührt jedoch zugleich jene christlich-symbolische Imagination, die MacDonalds Prosa eigentümlich prägt. George MacDonald, schottischer Schriftsteller, Prediger und einer der bedeutenden Wegbereiter phantastischer und religiöser Literatur, verband in seinem Werk theologische Fragen mit feiner Menschenkenntnis. Seine calvinistisch geprägte Herkunft, seine spätere Distanz zu dogmatischer Enge und sein lebenslanges Interesse an der geistigen Reifung des Menschen erklären die besondere Tonlage dieses Romans. Auch seine Erfahrung als Seelsorger und seine Nähe zu literarischen Kreisen des viktorianischen Zeitalters dürften Mary Marston wesentlich geprägt haben. Empfehlenswert ist dieses Buch für Leserinnen und Leser, die den viktorianischen Roman nicht bloß als Gesellschaftsbild, sondern als Labor moralischer Selbstprüfung verstehen. Wer ruhige, gedankenreiche Erzählkunst und die Verbindung von Charakterzeichnung, Glaubensfrage und innerer Entwicklung schätzt, wird in Mary Marston ein still eindringliches Werk von bleibender geistiger Substanz finden.

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