Adolf Glasers "Masaniello" gestaltet den Aufstand des neapolitanischen Fischers Tommaso Aniello gegen die spanische Herrschaft im Neapel des Jahres 1647 als historisches Drama. Der Stoff verbindet soziale Empörung, politische Machtkämpfe und die tragische Dynamik charismatischer Volksführung. Glaser arbeitet dabei nicht bloß chronikalisch: Die historische Kulisse wird zum Spannungsraum für Fragen nach Legitimität, Freiheit und der Verführbarkeit revolutionärer Bewegungen. In der Verbindung von dramatischem Dialog, pathetischer Rede und konfliktreicher Figurenzeichnung steht das Werk in der Tradition des romantisch-historischen Theaters und zugleich im Wirkungsfeld des bürgerlichen Revolutionsdramas des 19. Jahrhunderts. Masaniello erscheint als ambivalente Gestalt zwischen Volkstribun, politischem Werkzeug und überforderter Einzelpersönlichkeit. Adolf Glaser, ein im 19. Jahrhundert tätiger deutscher Schriftsteller und Publizist, wandte sich wiederholt historischen und gesellschaftlich aufgeladenen Stoffen zu. Seine Beschäftigung mit Masaniello lässt sich als Ausdruck eines Zeitalters verstehen, in dem Revolutionen, nationale Bewegungen und die soziale Frage das politische Denken Europas bestimmten. Die neapolitanische Erhebung bot ihm die Möglichkeit, zeitgenössische Konflikte in historischer Verkleidung zu untersuchen und das Verhältnis von individueller Tatkraft, kollektiver Leidenschaft und institutioneller Herrschaft literarisch zu befragen. "Masaniello" empfiehlt sich Lesern, die historische Dramen nicht als bloße Vergangenheitsbilder, sondern als kritische Spiegel politischer Gegenwart lesen. Das Werk verbindet anschauliche Atmosphäre mit ideengeschichtlicher Resonanz und eröffnet einen prägnanten Zugang zur dramatischen Auseinandersetzung des 19. Jahrhunderts mit Revolution, Volkssouveränität und Macht.

Masaniello : Historisches Trauerspiel über Volksaufstand, Steuerrebellion und politische Intrigen im barocken Italien
Geschrieben von Adolf Glaser












