Über dieses Buch

Hans Maria Globke – eine deutsche Karriere

Ein stets pflichtgetreuer Beamter, ein loyaler Diener des Staates, seiner wechselnden Herren und politischen Systeme. »In Treue fest« – der Wahlspruch von Globkes katholischer Studentenverbindung war auch das Motto seines Lebens. Er blieb dem Staat treu, auch als er ein Unrechtsstaat wurde. Und er half kräftig mit, Unrecht als Recht erscheinen zu lassen. Globke arbeitete mit an der Ausgestaltung des Systems, obwohl es inhaltlich um Willkür, Verfolgung und in letzter Konsequenz um Mord ging. Dass er dabei ein Helfer war, ein »Schreibtischtäter«, der nicht nur mitmachte, weil er dazu gezwungen wurde, hat er nie mit nur einem Wort bedauert. Er hat einen perfiden Kommentar zu den »Nürnberger Rassegesetzen« verfasst, hat sich freiwillig in juristischen Zeitschriften geäußert, hat die Entscheidung begrüßt, als das Reichsgericht seiner weiten Auslegung von »Rassenschande« zustimmte, war unter den Nazis Spezialist für Staatsangehörigkeitsfragen.

Unmittelbar nach dem Ende des Tausendjährigen Reiches passte er sich den Gegebenheiten an; und diese Mimikry wird auch, dank seiner Verwaltungserfahrung, ohne Zögern von den politischen Nachfolgern akzeptiert. Täter werden – wie in der Nachkriegszeit erfolgreich propagiert – zu Opfern des Unrechtsregimes, obwohl sie es selbst durch ihre Zusammenarbeit mitgetragen haben.

Globke, der heimliche Generalsekretär und Schatzmeister der CDU, lenkte für Adenauer die damalige Regierungspartei. Er war einer von Adenauers engsten Beratern – ein Regierungsbeamter mit einer Machtfülle, wie sie keiner seiner Nachfolger mehr erreichte. Als Staatssekretär im Kanzleramt zog er im Hintergrund die Fäden, baute das Palais Schaumburg zur Machtzentrale aus und bestimmte die Personalpolitik. Globke kontrollierte die Finanzen und die schwarzen Kassen der CDU, half beim Aufbau der Geheimdienste und holte einige von Hitlers Generälen in die Führungsspitze der Bundeswehr. Adenauer hat seinen engsten politischen Vertrauten beschützt und ihn auch vor einem Auftritt als Zeuge im Jerusalemer Prozess gegen Adolf Eichmann, den Organisator des Holocaust, bewahrt.

Vorwort

Die Kinderjahre der Bonner Republik

Vom preußischen Beamten zum Experten der NS-Bürokratie

Exkurs: Der Vatikan und Hitler

Handlanger der Nazis und Katholik im Widerstand?

Zeuge der Anklage und der Verteidigung

Kalter Krieg und neue Chancen für alte Spezialisten

Der Weg ins Kanzleramt

Adenauers Graue Eminenz

Geheime Kontakte zu Agenten und Militärs

Der (un)heimliche Generalsekretär der CDU

Die Schatten der Vergangenheit

Der Eichmann-Prozess und die verschwundenen 40 Seiten

In der Schweiz unerwünscht

Der Mann hinter Adenauer – totgeschwiegen

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