Hans Falladas 1950 postum erschienener Roman "Der Trinker" zeichnet den sozialen und psychischen Absturz des angesehenen Kaufmanns Erwin Sommer nach. Aus einem zunächst scheinbar begrenzten Fehltritt entwickelt sich eine zerstörerische Abhängigkeit, die Ehe, wirtschaftliche Existenz und Selbstachtung gleichermaßen erfasst. In der konsequenten Ich-Perspektive vermittelt der Text die Wahrnehmungsverzerrungen, Ausflüchte und Selbsttäuschungen des Protagonisten mit beklemmender Unmittelbarkeit. Falladas präzise, sachnahe Prosa verbindet psychologischen Realismus mit sozialkritischer Beobachtung und steht damit in der Tradition der Neuen Sachlichkeit, ohne sich in bloßer Milieuschilderung zu erschöpfen. Der Roman fragt eindringlich nach individueller Verantwortung, gesellschaftlicher Ausgrenzung und den Mechanismen der Sucht. Rudolf Ditzen, der unter dem Pseudonym Hans Fallada schrieb, kannte die zerstörerischen Kräfte von Abhängigkeit, psychischer Krankheit und sozialem Druck aus eigener, konfliktreicher Biografie. Seine Erfahrungen mit Alkohol- und Medikamentenabhängigkeit sowie mit Klinikaufenthalten bilden einen wichtigen Erfahrungshorizont des Romans, ohne dass dieser auf eine einfache Autobiografie reduziert werden darf. Falladas literarisches Interesse galt wiederholt den "kleinen Leuten", deren Lebensentwürfe an ökonomischen und gesellschaftlichen Verhältnissen zerbrechen. "Der Trinker" empfiehlt sich Leserinnen und Lesern, die einen schonungslosen, zugleich differenzierten Roman über Sucht und Selbstverlust suchen. Die eindringliche Erzählstimme macht den Text ebenso beklemmend wie erkenntnisreich und verleiht ihm bis heute eine hohe gesellschaftliche und literarische Relevanz.

Der Trinker : Psychologische Fallstudie über Alkoholsucht, bürgerlichen Absturz, Selbstbetrug und institutionelle Gewalt
Geschrieben von Hans Fallada
























Liesel
19.9.2022
Traurig 😞 zu sehen, was der Alkohol aus einem machen kann. Top geschrieben! Sehr realistisch
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