"Bevor meine Frau zur Vegetarierin wurde, hielt ich sie für nichts Besonderes. Bei unserer ersten Begegnung fand ich sie nicht einmal attraktiv. Mittelgroß, ein Topfschnitt, irgendwo zwischen kurz und lang, gelbliche unreine Haut, Schlupflider und dominante Wangenknochen. So fühlte ich mich weder von ihr angezogen noch abgestoßen und sah daher keinen Grund, sie nicht zu heiraten."
Yeong-Hye und ihr Ehemann sind ganz gewöhnliche Leute. Er geht beflissen seinem Bürojob nach und hegt keinerlei Ambitionen. Sie ist eine zwar leidenschaftslose, aber pflichtbewusste Hausfrau. Die angenehme Eintönigkeit ihrer Ehe wird jäh gefährdet, als Yeong-Hye beschließt, sich fortan ausschließlich vegetarisch zu ernähren und alle tierischen Produkte aus dem Haushalt entfernt. "Ich hatte einen Traum", so ihre einzige Erklärung. Ein kleiner Akt der Unabhängigkeit, aber ein fataler, denn in einem Land wie Südkorea, in dem strenge soziale Normen herrschen, gilt der Vegetarismus als subversiv. Doch damit nicht genug. Bald nimmt Yeong-Hyes passive Rebellion immer groteskere Ausmaße an. Sie, die niemals gerne einen BH getragen hat, fängt an, sich in der Öffentlichkeit zu entblößen und von einem Leben als Pflanze zu träumen. Bis sich ihre gesamte Familie gegen sie wendet.
























Jessi
25.2.2026
„Die Vegetarierin“ von Han Kang war für mich vor allem ein verstörendes und emotional schwer zugängliches Leseerlebnis. Die Geschichte einer Frau, die sich zunehmend gesellschaftlichen Erwartungen und ihrem eigenen Körper entzieht, wird konsequent aus der Perspektive ihres übergriffigen Umfelds erzählt – insbesondere ihres Mannes und ihrer Familie. Diese Perspektivwahl macht die allgegenwärtige Kontrolle, Gewalt und Entmenschlichung zwar deutlich, ließ mich jedoch weniger mitfühlen als vielmehr wütend und sprachlos zurück. Die Vielzahl belastender und sensibler Themen (TW lesen!!) wirkte auf mich eher überwältigend als erkenntnisreich. Statt einer emotionalen Verbindung blieb vor allem Ratlosigkeit und das Gefühl, auf Distanz gehalten zu werden. Ich erkenne die literarische Absicht und die gesellschaftskritische Ebene des Romans, erreicht oder berührt hat er mich jedoch kaum. Für mich ein zweifellos bewusst verstörendes, aber letztlich kaum zugängliches und emotional nicht überzeugendes Leseerlebnis.
Johanna
18.1.2026
Anfangs wusste ich nicht so recht, ob ich dran bleiben soll. Aber jetzt bin ich richtig begeistert!! Ein wichtiges, gesellschaftskritisches Buch, das lange nachhallt. Skurril, originell, literarisch!
Caroline
13.1.2026
Crazy
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