Die Erforschung des diplomatischen Dinggebrauchs stellt ein innovatives Forschungsfeld dar. In der Frühen Neuzeit wurden soziale Ordnungen über den demonstrativen Gebrauch von Dingen mit ihrer spezifischen Materialität, Farbigkeit, Form und Funktionalität nicht nur dargestellt, sondern hergestellt. In der Kultur der Dinge manifestierten sich die politisch-rechtlichen Beziehungen zwischen Herrschaftsträgern und ihren diplomatischen Akteuren in einem entstehenden europäischen Staatensystem. Vor allem am Beispiel der im Gemälde "The Somerset House Conference" visualisierten Objektwelten zum spanisch-englischen Frieden von 1604 illustriert der Beitrag, welche Erkenntnispotentiale die Analyse diplomatischer Ereignisbilder eröffnet. Er plädiert für einen methodischen Neopositivismus, der solche Bildquellen in ihrem über die Intentionen von Auftraggebern und Bildproduzenten hinausgehenden Aussagegehalt ernst nimmt und nicht als bloße Konstruktionen diplomatischer Akte begreift. Dabei fungierte die semantische Ambivalenz der Dinge oft als Mittel der Herstellung von außenpolitischem Konsens, was in der gemeinhin konfliktfixierten Geschichtswissenschaft nicht selten aus dem Blick gerät.
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Autor*in:
Reihe:
Band 20241 in Abhandlungen der Akademie der Wissenschaften und der Literatur, Mainz. Geistes- und sozialwissenschaftliche KlasseSprache:
Deutsch
Format:

Apelles von Kolophon. Das Telephosbild aus Herculanum im antiken und modernen Kunsturteil

Die drei frühesten Dialoge Platons

Rudolf Gerber und die Anfänge der Gluck-Gesamtausgabe

Der Alltag in der digitalen Gesellschaft – Chancen und Risiken : Vorträge des Symposions vom 28. November 2014

Studien zum Kaiseramt in der Frühen Neuzeit : Drei Beiträge

Europa: Christen und Muslime in Kontakt und Konfrontation : Italien und Spanien im langen 9. Jahrhundert

10 Millionen ganz normale Parteigenossen : Neue Forschungsergebnisse zu den Mitgliedern der NSDAP 1925–1945

Zum Verhältnis von Grundlagen- und Anwendungsforschung : Beiträge des Symposiums vom 5. Februar 2015 in der Akademie der Wissenschaften und der Literatur, Mainz

"Die Sklaverei setzen wir mit dem Tod gleich" – Sklaven in globalhistorischer Perspektive : Beiträge der Tagung vom 14. Januar 2016 in der Akademie der Wissenschaften und der Literatur, Mainz

Valentin Weigel (1533–1588) – Ein Ketzer in neuer Perspektive : Zum Abschluss der Neuedition seiner "Sämtlichen Schriften'"

Vier Strophen über "hochvart" im Frauenlobnachtrag der Jenaer Liederhandschrift

Zuwanderung und Integration: Wie reagiert die Aufnahmegesellschaft? : Beiträge des Symposiums vom 23. Februar 2018 in der Akademie der Wissenschaften und der Literatur, Mainz
