Heinrich von Kleist gehört zu den faszinierendsten und widersprüchlichsten Gestalten der deutschen Literatur. Seine Texte sind von eruptiver Kraft, voller Brüche, Extreme und moralischer Grenzfragen. Diese Hörbuch-Edition versammelt seine wichtigsten Dramen, Novellen und Essays – Werke, in denen sich Kleists rastloses Leben, sein Zweifel an Vernunft und Ordnung und seine kompromisslose Suche nach Wahrheit widerspiegeln.
Die Komödie "Der zerbrochene Krug" zeigt Kleist als scharfen Beobachter menschlicher Verlogenheit und institutioneller Macht. Hinter dem scheinbar leichten Lustspiel verbirgt sich eine bittere Abrechnung mit Autorität und Selbsttäuschung – Themen, die Kleist zeitlebens beschäftigten.
Mit der Tragödie "Penthesilea" sprengte Kleist alle klassischen Formen. In der rasenden Liebes- und Gewaltgeschichte der Amazonenkönigin verdichten sich seine Erfahrungen von innerem Zerrissensein, Leidenschaft und Kontrollverlust zu einem der radikalsten Texte der deutschen Dramenliteratur.
"Amphitryon" und "Das Käthchen von Heilbronn" zeigen zwei gegensätzliche Pole seines Theaters: Hier das spielerische Verwirrspiel um Identität und Wahrheit, dort ein geheimnisvolles Ritterdrama zwischen Traum, Hingabe und Schicksalsglauben – beide geprägt von Kleists Zweifel an rationaler Erkenntnis.
Mit der Novelle "Michael Kohlhaas" schuf Kleist sein vielleicht berühmtestes Prosawerk: die erschütternde Geschichte eines Mannes, der aus dem Streben nach Gerechtigkeit in fanatischen Rechtsradikalismus getrieben wird. Kleists eigenes Ringen mit staatlicher Ordnung, Recht und Willkür ist hier unmittelbar spürbar.
Die Erzählungen "Die Marquise von O.", "Das Erdbeben in Chili" und "Das Bettelweib von Locarno" kreisen um Schuld, Zufall und moralische Ambivalenz. In ihnen zeigt sich Kleists Weltbild besonders deutlich: Das Vertrauen in Vernunft und göttliche Ordnung ist erschüttert, Sicherheit wird zur Illusion.
Mit den Essays "Über das Marionettentheater" und "Über die Verfertigung der Gedanken beim Reden" formuliert Kleist schließlich sein poetisches Denken selbst. Er entwirft eine Philosophie des Unbewussten, der Grazie und der spontanen Erkenntnis – Gedanken, die seiner Zeit weit voraus waren und bis heute nachwirken.
Heinrich von Kleist – Leben im Ausnahmezustand:
Geboren 1777 in Frankfurt (Oder), führte Heinrich von Kleist ein rastloses Leben zwischen Militärdienst, Studienabbrüchen, Reisen, finanzieller Not und literarischer Isolation. Zeit seines Lebens unverstanden, scheiterte er an gesellschaftlichen und persönlichen Erwartungen. 1811 nahm er sich gemeinsam mit Henriette Vogel das Leben. Erst posthum wurde Kleist als einer der größten Erneuerer der deutschen Literatur erkannt.
Diese Hörbuch-Compilation erschließt Kleists Werk als geschlossenes Ganzes: als Ausdruck eines radikalen Denkens, das keine einfachen Antworten kennt. Literatur von eruptiver Intensität – verstörend, modern und von ungebrochener Aktualität.














