Daniela Dröscher erzählt vom Aufwachsen in einer Familie, in der ein Thema alles beherrscht: das Körpergewicht der Mutter. Ist diese schöne, eigenwillige, unberechenbare Frau zu dick? Muss sie dringend abnehmen? Ja, das muss sie. Entscheidet ihr Ehemann. Und die Mutter ist dem ausgesetzt, Tag für Tag.
Lügen über meine Mutterist zweierlei zugleich: die Erzählung einer Kindheit im Hunsrück der 1980er, die immer stärker beherrscht wird von der fixen Idee des Vaters, das Übergewicht seiner Frau wäre verantwortlich für alles, was ihm versagt bleibt: die Beförderung, der soziale Aufstieg, die Anerkennung in der Dorfgemeinschaft. Und es ist eine Befragung des Geschehens aus der heutigen Perspektive: Was ist damals wirklich passiert? Was wurde verheimlicht, worüber wurde gelogen? Und was sagt uns das alles über den größeren Zusammenhang: die Gesellschaft, die ständig auf uns einwirkt, ob wir wollen oder nicht?
Schonungslos und eindrücklich lässt Daniela Dröscher ihr kindliches Alter Ego die Jahre, in denen sich dieses "Kammerspiel namens Familie" abspielte, noch einmal durchleben. Ihr gelingt ein ebenso berührender wie kluger Roman über subtile Gewalt, aber auch über Verantwortung und Fürsorge. Vor allem aber ist dies ein tragik-komisches Hörbuch über eine starke Frau, die nicht aufhört, für die Selbstbestimmung über ihr Leben zu kämpfen.






















Leonie
18.8.2026
Diese Geschichte hat mich sehr berührt und aufgewühlt, weil sie mich in einigen Teilen an meine eigene Familiengeschichte, vor allem an die meiner Oma, erinnert. Sie ist ein Spiegelbild einer ganzen Generation von Frauen, die sich in einer Ehe gefangen fühlten, in die sie eigentlich schon sehr früh keine Hoffnung mehr setzten. Entscheiden mussten sie sich oft zwischen der Erfüllung gesellschaftlicher Erwartungen und dem vermeintlich „sicheren Hafen“ auf der einen Seite und ihrer eigenen Freiheit und Autonomie auf der anderen. Ich bin froh, dass ich als junge Frau inzwischen die Möglichkeit habe, unabhängig von meinem Mann eigene Entscheidungen treffen und diese auch durchsetzen zu dürfen. Was bleibt, ist die noch immer viel zu wenig anerkannte und vor allem vergütete Care-Arbeit sowie das von der Gesellschaft auferlegte Bild einer Frau, die nur dann richtig liebt, wenn sie sich selbst komplett aufgibt.
Anonym
23.4.2025
Schwer auszuhalten.
Crosspatch
8.10.2024
Gut erzählt. Die Familienstrukturen und Rollenbilder der 80er Jahre werden lebendig, Leider beherrscht die Vorleserin den Hunsrücker Diaket nicht, was mich beim Hören der entsprechenden Sätze gestört hat. Es sei einer Norddeutschen verziehen.
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