Anatole Frances "Nützliche und erbauliche Meinungen des Herrn Abbé Jérôme Coignard" ist ein historisch-moralischer Dialogroman, der im Frankreich des 18. Jahrhunderts angesiedelt ist. Der junge Jacques Tournebroche erinnert sich an seinen gelehrten, lebensklugen und keineswegs sittenreinen Lehrer, dessen Gespräche über Religion, Politik, Wissenschaft, Liebe und menschliche Torheit den eigentlichen Kern des Buches bilden. In der kunstvollen Maske einer alten Chronik verbindet France die Eleganz klassizistischer Prosa mit skeptischer Ironie, philosophischem Witz und einer deutlich aufklärerischen Kritik an Dogmatismus, sozialer Ungerechtigkeit und kirchlicher Selbstgewissheit. Die scheinbar "nützlichen" Lehren erweisen sich dabei gerade durch ihre Widersprüchlichkeit als erkenntnisfördernd. Anatole France (1844–1924), Literaturnobelpreisträger von 1921, war Romancier, Essayist, Kritiker und engagierter Beobachter der französischen Republik. Seine humanistische Bildung, seine Beschäftigung mit Geschichte und Literatur sowie seine politische Entwicklung vom kultivierten Skeptiker zum entschiedenen Dreyfusard prägten sein Werk. Der Abbé Coignard erlaubt ihm, gesellschaftliche und religiöse Autoritäten aus sicherer historischer Distanz zu prüfen und zugleich die Grenzen jeder vermeintlich endgültigen Wahrheit offenzulegen. Dieses Buch empfiehlt sich Lesern, die historische Atmosphäre mit philosophischer Reflexion und feinsinniger Satire verbinden möchten. Es ist ebenso ein geistreiches Porträt menschlicher Schwächen wie eine Einladung zu selbstständigem Denken: gelehrt, unterhaltsam und gerade wegen seiner Zweifel erstaunlich modern.

Nützliche und erbauliche Meinungen des Herrn Abbé Jérôme Coignard : Philosophische Dialoge über Kirche, Gesellschaft und Moral im Renaissance-Frankreich
Geschrieben von Anatole France










