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Das Muttermal verriet sie : Gaslicht 40

E-book


In dieser neuartigen Romanausgabe beweisen die Autoren erfolgreicher Serien ihr großes Talent. Geschichten von wirklicher Buch-Romanlänge lassen die illustren Welten ihrer Serienhelden zum Leben erwachen. Es sind die Stories, die diese erfahrenen Schriftsteller schon immer erzählen wollten, denn in der längeren Form kommen noch mehr Gefühl und Leidenschaft zur Geltung. Spannung garantiert!

Die junge Frau musste den Bach überqueren, es gab keinen anderen Weg. Entschlossen setzte sie ihren Fuß auf die Brücke. Sich mit beiden Händen am Geländer festhaltend, ging sie sehr langsam über die Holzplanken. Ihr Herz schlug bis zum Hals. Sie hatte Angst, ganz furchtbare Angst. Der Bach wirkte durch den aufkommenden Sturm noch reißender als sonst. Sie wusste genau, würde sie ausrutschen und in das Wasser stürzen, würde es kaum eine Chance für sie geben. Die junge Frau hatte schon fast das Ende der Brücke erreicht, als das linke Halteseil aus seiner Verankerung riss. Die Brücke kippte zur Seite. Bevor Dorothy sich festhalten konnte, stürzte sie kopfüber in den Bach. Niedergeschlagen saß Dorothy Gilman am Fenster des kleinen mit viktorianischen Möbeln eingerichteten Salons und schaute auf die Themse hinaus. Trotz des schlechten Wetters legte gerade eines der Ausflugsboote, die vom Tower kamen, am Ufer an. Uninteressiert beobachtete sie die Leute, die kurz darauf die schmale Treppe zur Straße hinunterstiegen und in Richtung Whitehall davongingen. Als der letzte der Passagiere die Treppe passiert hatte, schlug die Uhr des Big Ben fünfmal. Die junge Frau zuckte heftig zusammen. Automatisch glitt ihr Blick zur Wanduhr. Um diese Zeit hatte sie mit ihrem Vater stets Tee getrunken, wenn er nicht gerade zu einem Krankenbesuch unterwegs gewesen war. Ein dicker Kloß schien in ihrem Hals zu sitzen. Drei Tage waren jetzt seit seiner Beerdigung vergangen, drei Tage, in denen sich die Stunden bis zur Ewigkeit ausdehnten. Dorothy Gilman stand auf.