Über dieses Buch

Die Verstümmelten entfaltet in beklemmender Präzision die Geschichte des Bankbeamten Franz Polzer, eines Menschen, dessen seelische Verkrüppelung sich in Angst, Abhängigkeit und erotischer Verunsicherung äußert. Ungar verbindet naturalistische Milieuschärfe mit expressionistischer Zuspitzung: Körper, Begehren und soziale Ordnung erscheinen als Kräfte der Deformation. Im Kontext der deutschsprachigen Prager Moderne steht der Roman neben Kafka und Werfel, doch seine Härte und psychologische Unnachgiebigkeit besitzen eine eigentümliche Radikalität. Hermann Ungar, 1893 im mährischen Boskowitz geboren, war Jurist, Kriegsteilnehmer, Diplomat und Schriftsteller jüdischer Herkunft. Seine Erfahrungen in der vielsprachigen, sozial geschichteten Welt Mitteleuropas, die Verletzungen des Ersten Weltkriegs und die Spannungen zwischen bürgerlicher Disziplin und verdrängter Triebhaftigkeit prägten sein Schreiben. Ungars frühe Todesnähe und sein Blick auf Außenseiter erklären die schonungslose Aufmerksamkeit, mit der er beschädigte Existenzen gestaltet. Dieses Buch empfiehlt sich Leserinnen und Lesern, die literarische Schonungslosigkeit nicht mit Sensationslust verwechseln. Die Verstümmelten ist ein verstörender, kunstvoll komponierter Roman über Schuld, Macht und innere Entfremdung; ein Schlüsseltext der Moderne, dessen analytische Kälte bis heute erschüttert.

Diese erweiterte Ausgabe wurde mit großer Sorgfalt gestaltet, um Ihr Leseerlebnis zu bereichern.

- Sorgfältig ausgewählte unvergessliche Zitate heben Momente literarischer Brillanz hervor.

- Interaktive Fußnoten erklären ungewöhnliche Referenzen, historische Anspielungen und veraltete Ausdrücke für eine mühelose, besser informierte Lektüre.

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