Ludwig Tiecks „Der blonde Eckbert“ gilt als Gründungswerk des romantischen Kunstmärchens. Der zurückgezogen lebende Ritter Eckbert und seine Frau Bertha führen ein ruhiges, aber von unbestimmter Unruhe durchzogenes Leben auf ihrer abgelegenen Burg. Eines Abends erzählt Bertha einem Freund ihre Kindheitsgeschichte: Als kleines Mädchen von zu Hause weggelaufen, gelangte sie zu einer geheimnisvollen alten Frau, die mit einem sprechenden Hund und einem Zauber-Vogel lebt, der jeden Tag ein Ei mit Edelsteinen legt. Aus Habgier stiehlt die junge Bertha den Vogel und einen Teil des Schatzes und flieht – eine Tat, die sie zeitlebens mit Schuldgefühlen belastet. Nach dieser Erzählung beginnt eine Kette immer beunruhigenderer Ereignisse: Berthas Freund stirbt unter mysteriösen Umständen, Bertha selbst verstirbt kurz darauf, und Eckbert erfährt schließlich eine schockierende, alle Realitätsgrenzen sprengende Wahrheit über Berthas wirkliche Identität. Tiecks 1797 erschienene Erzählung verwischt meisterhaft die Grenzen zwischen Wirklichkeit, Wahnsinn und übernatürlicher Schuld und wurde zum Vorbild zahlloser späterer Schauermärchen.























