Albert Emil Brachvogels historischer Roman "Friedemann Bach" entfaltet das tragische Künstlerporträt des ältesten Sohnes Johann Sebastian Bachs. Im Zentrum steht Wilhelm Friedemann Bach, dessen außergewöhnliche musikalische Begabung, empfindsame Individualität und unkonventioneller Lebensentwurf an den gesellschaftlichen, konfessionellen und ökonomischen Bedingungen des 18. Jahrhunderts zerbrechen. Brachvogel verbindet biografische Überlieferung mit psychologischer Fiktion und zeichnet ein farbiges Bild der barocken Musikwelt zwischen höfischer Repräsentation, bürgerlicher Moral und geistlicher Ordnung. Sein erzählerischer Stil ist pathetisch, bildreich und stark auf dramatische Konflikte zugespitzt; damit steht das Werk in der Tradition des romantisch geprägten Künstler- und Genieromans, der historische Stoffe zur Auseinandersetzung mit Freiheit, Anerkennung und schöpferischer Einsamkeit nutzt. Albert Emil Brachvogel, 1824 in Breslau geboren, war als Schriftsteller und Dramatiker insbesondere für historische Stoffe und wirkungsvolle Charakterkonstellationen bekannt. Seine Beschäftigung mit der deutschen Kulturgeschichte, mit Theater und Musik sowie sein Interesse an den Spannungen zwischen individueller Begabung und gesellschaftlicher Anpassung dürften ihn zur Gestaltung dieser Bach-Biografie bewegt haben. Er schrieb nicht lediglich eine Lebenschronik, sondern interpretierte Friedemanns Schicksal als exemplarischen Konflikt zwischen Genie und Umwelt. Dieses Buch empfiehlt sich Leserinnen und Lesern, die historische Romane mit musikalischem Schwerpunkt, ambitionierte Künstlerfiguren und kulturgeschichtliche Atmosphäre schätzen. Es lädt dazu ein, die Bach-Zeit jenseits des übermächtigen Vaterbildes zu betrachten und über den Preis künstlerischer Unabhängigkeit nachzudenken.

Friedemann Bach : Ein historischer Musikerroman über musikalisches Genie, Vater-Sohn-Konflikt und gesellschaftlichen Abstieg im 18. Jahrhundert
Geschrieben von Albert Emil Brachvogel

















