Adolf Friedrich von Schacks "Nächte des Orients" entfaltet den Orient als poetischen Erfahrungs- und Imaginationsraum, in dem nächtliche Erzählstimmung, sinnliche Landschaftsbilder und Reflexionen über Liebe, Macht, Schicksal und Vergänglichkeit ineinandergreifen. Die kunstvolle, bildreiche Sprache verbindet romantische Exotik mit einer für das 19. Jahrhundert charakteristischen Faszination für die Kulturen des Nahen und Mittleren Ostens. Dabei ist das Werk weniger als ethnografische Darstellung denn als literarische Übersetzung und ästhetische Neuschöpfung zu verstehen: Orientalische Motive, Legenden und poetische Formen werden in einen deutschsprachigen, vielfach musikalisch rhythmisierten Stil überführt. Gerade in dieser Spannung zwischen gelehrter Aneignung und freier Imagination liegt sein literaturgeschichtlicher Reiz. Schack (1815–1894), aus mecklenburgischem Adel stammender Schriftsteller, Kunsthistoriker, Diplomat und leidenschaftlicher Sammler, verband literarische Produktion mit umfassenden Studien fremder Kulturen. Reisen, insbesondere nach Spanien und Italien, sowie seine Beschäftigung mit arabischer, persischer und indischer Dichtung prägten sein künstlerisches Denken. Seine Übersetzungen und Nachdichtungen orientalischer Stoffe entsprangen dem Wunsch, dem deutschen Publikum eine Weltliteratur von hoher poetischer und geistiger Eigenart zu erschließen. Empfohlen sei das Buch allen Lesern, die sich für romantische Orientvorstellungen, interkulturelle Literaturvermittlung und die poetische Sprache des 19. Jahrhunderts interessieren. "Nächte des Orients" lädt zugleich zu sinnlicher Lektüre und kritischer Einordnung ein: Es zeigt, wie Literatur Fremdheit gestaltet, Sehnsucht ausdrückt und aus kultureller Begegnung eine eigenständige ästhetische Welt hervorbringt.

Nächte des Orients : Orientalische Lyrik, arabische Märchen und persische Poesie zwischen islamischem Mittelalter und deutscher Romantik
Geschrieben von Adolf Friedrich Schack





