Seit 45 Jahren sind Nabila und Ali verheiratet. Aber wenn die Radioklänge von Fairuz’ Liebesliedern zum Küchenfenster hereinwehen, denkt Nabila nicht an ihren Mann, sondern an ihre Jugendliebe: einen syrischen Wanderarbeiter, der ihr Briefe in einer ausgehöhlten Zucchini versteckte. Auch wenn sie ihm damals nicht folgte, ihr drusisches Bergdorf nicht verließ: Seitdem brennt da eine Sehnsucht in ihr. Nun, wo die Töchter aus dem Haus sind und Schweigen einkehrt, spürt Nabila sie wieder. Eines Tages schickt sie Ali via Facebook eine Nachricht. Er erkennt seine Frau nicht hinter dem Pseudonym, sie klärt ihn nicht auf. So beginnen die störrischen alten Eheleute über ihre Handys wieder miteinander zu sprechen. Feinsinnig, humorvoll und warm erzählt Haneen Al-Sayegh über die Intensität eines vermeintlich stillen Lebens.
Haneen Al-Sayegh, geboren 1986 im Libanongebirge, studierte Englische Literatur an der American University of Beirut, arbeitet als Dozentin und Übersetzerin. Sie hat drei Gedichtbände veröffentlicht und wurde mit dem renommierten Naji Naaman Literary Award ausgezeichnet. Ihr Debütroman ›Das unsichtbare Band‹ stand auf der Shortlist für den International Prize for Arabic Fiction. Haneen Al-Sayegh lebt in Beirut und Berlin.

