Lionel studiert Philosophie und Soziologie – ohne Begeisterung. Stattdessen wächst in ihm das Gefühl, eine Frau sein zu wollen. Mit Thea, seiner Partnerin, kollidiert dieser Wunsch heftig; politische und ideologische Spannungen verschärfen die Brüche zwischen ihnen. Eine eskalierende Party endet im Drogenrausch mit einem Faustschlag, der Thea schwerverletzt in die Neurochirurgie bringt.
Inzwischen rechtlich als Lilith eingetragen, wird Li zu zweieinhalb Jahren Haft im Frauengefängnis Gotteszell verurteilt. Die Konfrontation mit den Mitgefangenen ernüchtert. Im Gespräch mit dem Gefängnisarzt und einer Psychoanalytikerin beginnt Li, die eigene Identitätssuche neu zu lesen: Teilidentifikationen mit der selbstbestimmten Mutter, ambivalente Erfahrungen mit dem Vater, der Sog akademischer Gewissheiten. Mit der Erkenntnis kommt die Umkehr – und ein zweiter Weg, der über die Berge führt.
Wolf-Peter Riedels Entwicklungsroman folgt einer Wandlung vom radikalisierten Größenselbst zur reflektierten Eigenheit. Eine Geschichte über Identität, Schuld und das mühsame Zurückfinden zu sich selbst – literarisch dicht erzählt, psychologisch klarsichtig, in den Herausforderungen der Berge ebenso wie in der Verzweiflung hinter Gittern verankert.


