Johannes V. Jensens "Kolumbus" gestaltet die Biografie des genuesischen Seefahrers als literarische Untersuchung einer Epoche, in der geografische Neugier, religiöser Sendungsdrang, ökonomische Interessen und imperialer Machtanspruch untrennbar miteinander verbunden waren. Der historische Roman verbindet quellennahes Zeitkolorit mit einer modernen, psychologisch nuancierten Darstellung seines Protagonisten: Kolumbus erscheint weder als eindimensionaler Held noch als bloßer Eroberer, sondern als visionärer, widersprüchlicher Mensch. Jensens klare, bildkräftige Prosa und sein Sinn für große geschichtsphilosophische Zusammenhänge verleihen der Fahrt über den Atlantik den Rang eines europäischen Gründungsmythos und stellen zugleich die Ambivalenz des sogenannten Entdeckungszeitalters heraus. Johannes V. Jensen (1873–1950), dänischer Schriftsteller, Journalist und Nobelpreisträger für Literatur, widmete sich wiederholt dem Verhältnis von Mensch, Natur, Zivilisation und geschichtlichem Fortschritt. Seine Reisen und seine intensive Beschäftigung mit der Entwicklung der Kulturen prägten ein Werk, das wissenschaftliche Interessen mit erzählerischer Vorstellungskraft verbindet. "Kolumbus" steht in diesem Zusammenhang: Jensen betrachtet den Entdecker als Ausdruck einer dynamischen, nach Expansion strebenden Moderne und prüft zugleich kritisch, welchen Preis solche Fortschrittsbewegungen fordern. Dieses Buch empfiehlt sich Leserinnen und Lesern, die historische Erzählkunst nicht als bloße Nacherzählung, sondern als Deutung von Geschichte verstehen. Es eröffnet einen eindringlichen Zugang zu Kolumbus, zur europäischen Welt um 1500 und zu den bis heute wirksamen Mythen von Entdeckung, Fortschritt und kultureller Begegnung.

Kolumbus : Eine historische Deutung der Atlantiküberquerung zwischen Renaissance, religiöser Imagination und den Ambivalenzen der Moderne
Geschrieben von Johannes V. Jensen










