"Wir brauchen die Historie zum Leben und zur Tat" — doch ein Übermaß an Geschichte, so warnt Friedrich Nietzsche, kann das Leben ersticken. In seiner zweiten "Unzeitgemäßen Betrachtung" (1874) rechnet der junge Philosophe mit dem historischen Bildungswahn seiner Zeit ab und stellt die bis heute aufwühlende Frage: Wie viel Vergangenheit verträgt der Mensch, ohne seine Kraft zum Handeln zu verlieren?
Nietzsche unterscheidet drei Weisen, Geschichte zu betreiben — die monumentalische, die antiquarische und die kritische — und zeigt, wo jede dem Leben dient und wo sie es lähmt. Ein leidenschaftliches Plädoyer für das schöpferische Vergessen, für Tat statt bloßer Gelehrsamkeit, und für einen Umgang mit der Vergangenheit, der die Gegenwart stärkt statt sie zu erdrücken.
Hans Jochim Schmidt liest die vollständige Abhandlung, ungekürzt, gut 3 Stunden.











