Als der alte Fahrenbach, der eine zunächst kleine Firma im Weinanbau und -vertrieb errichtet und im Laufe der Jahre zu einem bedeutenden Familienunternehmen erweitert hat, das Zeitliche segnet, hinterlässt er ein ziemlich seltsames Testament. Drei seiner Kinder scheinen Grund zur Freude zu haben, Frieder als neuer Firmenchef, Jörg als Schlossherr und Grit als Villenbesitzerin.
Bettina spürte, wie sich eine eisige Kälte in ihr ausbreitete, gleichzeitig überschlugen sich ihre Gedanken. Bitte, lieber Gott, lass nichts passiert sein, nicht das Letzte, das Endgültige. Christina lag im Krankenhaus, das hatte sie ja in mühsamer Kleinarbeit erfahren, aber man hatte ihr auch gesagt, dass sie aus dem Krankenhaus entlassen werden sollte. Christina hatte sie nicht über diesen Krankenhausaufenthalt informiert. Warum dann aber jetzt dieser Anruf bei ihr? Sie hatte keine Ahnung, nur eine ganz entsetzliche Angst, gleich etwas zu erfahren, was ihr den Boden unter den Füßen wegziehen würde. Das Telefon schrillte, aber sie war nicht in der Lage, sich zu melden. Vielleicht war das feige, aber in erster Linie wohl Angst, zu erfahren, dass Christina verstorben war, ohne dass sie die Möglichkeit gehabt hätte, ihr zu sagen, wie gern sie sie hatte, wie froh sie darüber war, dass sie, Christina, die letzte große Liebe ihres Vaters Hermann Fahrenbach gewesen war. Christina war krank, das hatte sie ihr selbst gesagt, und sie hatte sich ins Krankenhaus begeben, das tat man nicht wegen eines kleinen Wehwehchens, schon gar nicht, wenn man selber Ärztin war. Bettina hatte das Gefühl, wie ein Hamster in einem Rad zu sitzen, das sich immer schneller zu drehen begann. Gerade als sie zum Telefon greifen wollte, hörte es auf. Es war auf einmal eine bleierne Stille im Raum, die sich wie ein schweres Tuch über ihr Gemüt legte. Ihre Bürotür wurde geöffnet, Inge steckte den Kopf herein. »Hat das mit der Verbindung nicht geklappt?«, erkundigte sie sich, »oder willst du nicht mit dem Krankenhaus reden?« »Doch, doch«, beeilte, Bettina sich zu sagen, glücklicherweise hinterfragte Inge nicht, warum sie dann nicht an das Telefon gegangen war. Vielmehr sagte sie: »Dann leg ich dir das Gespräch noch mal herüber. Hoffentlich ist die Verbindung nicht ganz unterbrochen.« Doch, hoffentlich ja, hätte Bettina am liebsten gesagt, aber das hätte Inge nicht verstanden, außerdem war es unmöglich, sich durch Ignoranz vor der Verantwortung zu drücken.























