Über dieses Buch

Der amerikanische Prosa-Künstler Washington Irving hat mit seinen Erzählungen einen prägenden Einfluss auf die amerikanische Literatur ausgeübt. Das liegt an seiner sehr angenehmen Sprachgestaltung und dem Realitätsbezug des gewählten Gegenstands. Allerdings ummantelt er seine Geschichten ebenso gerne mit einem Grotesk-Phantastischen Gewand, so dass man zum einen nie weiß was als nächstes kommt und zum anderen immer das Gefühl vermittelt bekommt hautnah dabei zu sein, wobei einem die beschriebenen Szenen sofort vor dem geistigen Auge vorüberzuziehen scheinen. Sein berühmtestes Werk ist das "Skizzenbuch", hier Band 3 von drei.

In "Stratford am Avon" unternimmt Irving eine Wallfahrt zum Geburtsort Shakespeares, an welchem nebst erhalten gebliebenen Reliquien und Legenden über dessen wilde Jugendzeit eine Art konservierte Atmosphäre der Ewigkeit herrscht und diese nach wie vor Pilger aus allen Herren Länder magisch anzieht, denn so viele Unsterbliche hat die Menschheit ja nicht hervorgebracht. Anregend und bedächtig. "Philipp von Pokanoket" ist die Geschichte eines großen Indianerhäuptlings, der den ersten puritanischen Siedlern mit Großmut, Verständnis und Güte begegnete und ihnen erlaubte auf seinem Land in Frieden zu verweilen. Das erlauchte Christenvolk hingegen hielt sich mit der Zeit immer weniger an die geschlossenen Verträge, unterwanderte sämtliche Abmachungen, massakrierte Frauen und Kinder der gotteslästerlichen Ethnien und hetzte den bis zum letzten Atemzug kämpfenden Indianerhäuptling zu Tode, so dass man im schließlich im Einklang mit der heiligen Schrift guten Gewissens das gelobte Land als rechtmäßiges Eigentum betrachten konnte. In "John Bull" hat sich im Laufe der Zeit ein fiktionaler Charakter entwickelt, auf den sich in England so ziemlich jeder bei allen nur denkbaren Gelegenheiten beruft, um damit für ein eigenes Fehlverhalten gleichzeitig eine Entschuldigung, Erklärung und Rechtfertigung parat zu haben. Irving nimmt sich dieses Phänomens an und entwirft eine fundierte Persönlichkeitsstudie dieses mannigfaltigen Charakters, mit welchem sich jeder Engländer so gerne identifiziert. In "Der Stolz des Dorfes" wird der Ich-Erzähler ungewollt Zeuge einer Begräbniszeremonie, bei welcher die Trauernden weiße Kleider tragen. Er bringt in Erfahrung, was die näheren Umstände dieser Tragödie sind und lässt uns teilhaben an einer sehr einfachen, schlichten Geschichte, deren Aufzeichnung keinesfalls umsonst war. In "Der Angler" begibt sich der Ich-Erzähler mit ein paar Bekannten samt modernstem Fischfang-Equipment zum Angeln, doch der Erfolg bleibt aus. Ein Bauernjunge, der sich einen Ast vom Baum bricht, hat den Dreh deutlich besser raus. Schließlich macht der verzweifelte Angel-Held die Bekanntschaft eines mehr als erfahrenen Fischjägers und weicht nicht mehr von dessen Seite. Dieser ehemalige Seefahrer hat seine verbleibende Lebenszeit ganz dem Angeln verschrieben und ist demgemäß der beste Ratgeber, den sich ein aufstrebender Branchenneuling nur wünschen kann....


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