Hermann Brochs "Gesammelte Werke" erschließen ein Œuvre, das die Krise der europäischen Moderne in formal ebenso anspruchsvoller wie erkenntniskritischer Weise gestaltet. Im Zentrum stehen die Romane "Die Schlafwandler", "Der Tod des Vergil" und "Der Bergroman", ergänzt durch Essays, Reden, theoretische Schriften und weitere Prosa. Broch verbindet realistische Gesellschaftsanalyse mit essayistischen Reflexionen, mythischer Verdichtung, innerem Monolog und einer vielfach polyphonen Komposition. Wiederkehrende Themen sind der Zerfall verbindlicher Werte, die Mechanisierung des Lebens, das Verhältnis von Kunst und Erkenntnis sowie die ethische Verantwortung des Einzelnen. Damit steht die Sammlung im Kontext der deutschsprachigen literarischen Moderne und ihrer Auseinandersetzung mit dem Ersten Weltkrieg, der Massengesellschaft und dem Ende traditioneller Weltbilder. Hermann Broch (1886–1951) war zunächst als Industrieller tätig, bevor er sich im mittleren Lebensalter vollständig der Literatur und Philosophie zuwandte. Seine Erfahrungen mit dem Zusammenbruch der habsburgischen Ordnung, dem Nationalsozialismus und dem Exil prägten sein Denken nachhaltig. Beeinflusst von Soziologie, Psychoanalyse und moderner Wissenschaft, entwickelte er die Vorstellung einer "Wertzerfall"-Epoche, deren geistige Struktur literarisch sichtbar gemacht werden müsse. Seine Werke sind daher zugleich Romane und Untersuchungen kultureller Krisen. Diese Ausgabe empfiehlt sich allen Lesern, die Literatur als ästhetische Form und als Instrument historischer sowie moralischer Erkenntnis verstehen. Sie bietet einen umfassenden Zugang zu einem der bedeutendsten europäischen Schriftsteller des 20. Jahrhunderts.

Hermann Broch - Gesammelte Werke : Romane und Essays zwischen Wiener Moderne, Modernekrise, Exil, Bewusstseinsstrom und literarischer Ethik
Geschrieben von Hermann Broch










