Wurde der Holocaust in der Tschechoslowakei tatsächlich mit einem offiziellen »Tabu« belegt und die jüngste Geschichte von den kommunistischen Machthabern »konfisziert«? Viele Beobachter erklären so die nur zögerlich einsetzende und mangelnde selbstkritische Auseinandersetzung mit der Verfolgung und Ermordung der Juden in der tschechischen Gesellschaft: Die Geschichtspolitik des kommunistischen Staates trüge demnach zusammen mit dem Schweigen der jüdischen Opfer Schuld an diesem »Tabu«. Die vorliegende Studie stellt beide Vorstellungen in Frage und geht stattdessen von den jüdischen Repräsentationen des Holocaust aus. Sie untersucht so die sich wandelnden Möglichkeiten, Formen und Grenzen einer Erinnerung an die Shoah in einem kommunistischen Staat von 1945 bis in die 1990er Jahre.Die Analyse der mannigfaltigen jüdischen Erinnerungen an den Zweiten Weltkrieg widerlegt die oft vertretene Formel vom »Tabu des Holocaust in der Tschechoslowakei« und trägt damit zu einem differenzierteren Blick auf die tschechoslowakische Erinnerungskultur bei. Dieser wirft notwendigerweise Fragen an die Mehrheitsgesellschaft in der Tschechoslowakei auf: Sind nicht – mehr als die staatliche Politik oder die kommunistische Ideologie – gesellschaftliche Einstellungen und Wahrnehmungen der Grund für die Marginalisierung des Holocaust und seine Ausklammerung aus der tschechischen Nationalgeschichte? Welche Konsequenzen haben der tschechische Nationalismus, antisemitische Stereotype und das anachronistische Festhalten an einem heroischen Geschichtsverständnis für die Erinnerung an die jüdischen Opfer des Zweiten Weltkrieges?
Commencez ce livre dès aujourd'hui pour 0 €
- Accédez à tous les livres de l'app pendant la période d'essai
- Sans engagement, annulez à tout moment
Auteur(e) :
Série :
SchnittstellenLangue :
allemand
Format :

Über Riesen und Zwerge : Tschechoslowakische Amerika- und Sowjetunionbilder 1948–1989

Die Perestroika, die Intelligenzija und die Geburt des weißrussischen Populismus, 1988–1997

Helden eines Landes, das es nicht mehr gibt : Die Transformationen des Gedenkens an gefallene sowjetische Soldaten und Veteranen des Zweiten Weltkriegs in der Ukraine

Wasserträume und Wasserräume im Staatssozialismus : Ein umwelthistorischer Vergleich anhand der tschechoslowakischen und rumänischen Wasserwirtschaft 1948–1989

Umkämpfter Weg zur Bildung : Armenische Studierende in Deutschland und der Schweiz von der Mitte des 19. bis Anfang des 20. Jahrhunderts
