Die neue Praxis Dr. Norden - So war es nicht geplant, doch Dr. Danny Norden betrachtet es als Chance. Äußere Umstände zwingen ihn zu einem Neustart. Und diesen nimmt Danny tatkräftig in Angriff, auch, wenn er mit Abschied, Trennung, Wehmut verbunden ist. Dr. Danny Norden praktiziert jetzt in seiner neuen, modernen, bestens ausgestatteten Praxis. Mit Kompetenz, Feingefühl und Empathie geht er auf seine Patienten zu und schafft ein Klima, das die Genesung fördert: eben Dr. Danny Norden, wie er leibt und lebt, und er wird immer besser!
Der Nationaltheatersaal lag im goldenen Halbdunkel, so wie immer, wenn die großen Proben begannen, jenes eigentümliche Zwielicht zwischen Arbeitsrealität und Magie, das David Keller seit seinem ersten Engagement an diesem Opernhaus liebte. Die Kronleuchter waren nur zur Hälfte erleuchtet, ihr Licht fiel auf die leeren Ränge mit den roten Samtsitzen. Zur Premiere in sechs Wochen würden sie alle besetzt sein, die Vorstellung war bereits ausverkauft. David stand in der Kulisse und atmete den vertrauten Geruch von Holzstaub, Schminke, vermischt mit dem leicht muffigen Parfüm der alten Bühnenvorhänge. Vermutlich war das für Außenstehende nicht der angenehmste Geruch, für ihn aber war es der Geruch seiner Welt, seines Lebens. »David, wir sind so weit!«, hörte er Klaus Stresemann, den Regisseur, rufen. Der überschlanke Mittfünfziger in schwarzer Anzughose und kurzärmeligem weißen Hemd hatte den Zuschauerraum betreten und in der ersten Reihe auf einem der mittleren Sitze Platz genommen. Arthur, der Dirigent, ein großgewachsener Mann Anfang sechzig mit grauen Locken, lächelte und winkte Klaus mit dem Taktstock zu, was hieß, dass das Orchester einsatzbereit war. David, ein sportlicher Mann Ende zwanzig mit schwarzen dunklen Locken und hellen blauen Augen, der am Rande der Bühne gestanden hatte, stellte sich nun vor die in der Mitte platzierte bemalte Holzwand auf Rollen, die für die Proben als Kulisse herhalten musste. Die echte Kulisse, die einen eleganten Pariser Salon eines luxuriösen Stadthauses darstellte, würde in der Generalprobe zum ersten Mal zum Einsatz kommen. Die Proben für die Neuinszenierung von Verdis La Traviata liefen seit zwei Monaten, nie zuvor hatte David so intensiv gearbeitet. Klaus gehörte zu den Regisseuren, dessen Inszenierungen in ganz Europa für Aufsehen sorgten. Er war bekannt für seine Unnachgiebigkeit gegenüber den Sängern, Dirigenten, Musikern und Bühnenarbeitern. Von jedem Einzelnen verlangte er das absolut Beste und forderte es auch energisch ein. Da alle wussten, zu welchen Ergebnissen seine Regiearbeiten führten, nahmen sie es hin, wenn er einmal wieder lautstark verkündete, dass er noch mehr erwartete als er bereits gehört oder gesehen hatte. »Alfredo ist kein Tenor«, hatte er am ersten Probentag verkündet, die Hände in die Hüften gestemmt, den buschigen Bart theatralisch gerümpft. »Alfredo ist ein junger Mann, der zum ersten Mal wirklich liebt«, beschrieb er die Hauptfigur, die David spielen würde.























