À propos de ce livre

In "Die mit den tausend Kindern" entwirft Clara Viebig das eindringliche Porträt einer Frau, deren Leben durch die Sorge für eine große Gemeinschaft bestimmt wird. Der Titel verweist dabei nicht nur auf eine außergewöhnliche persönliche Leistung, sondern auch auf die gesellschaftliche Erwartung, weibliche Fürsorge als selbstverständliche Berufung zu betrachten. Viebig verbindet psychologische Beobachtung mit sozialkritischer Wirklichkeitsdarstellung: Individuelle Wünsche, materielle Abhängigkeiten und moralische Pflichten geraten in ein spannungsreiches Verhältnis. Ihre naturalistisch geprägte, zugleich von Empathie getragene Prosa zeichnet Milieus und Charaktere mit großer Anschaulichkeit und stellt die Frage, welchen Preis gelebte Verantwortung fordert. Clara Viebig (1860–1952) gehört zu den markanten deutschsprachigen Erzählerinnen des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts. Geprägt von der rheinischen und märkischen Lebenswelt, widmete sie sich bevorzugt Menschen, die im Schatten gesellschaftlicher Ordnungen stehen: Frauen, Kindern, Armen und Außenseitern. Ihr Interesse an sozialen Spannungen, weiblicher Selbstbehauptung und den Widersprüchen bürgerlicher Moral erklärt die besondere Perspektive dieses Romans. Leserinnen und Leser, die literarisch präzise Milieuschilderungen und engagierte Frauenliteratur schätzen, finden hier eine lohnende Wiederentdeckung. Das Buch verbindet emotionale Wirkung mit historischer Aussagekraft und regt dazu an, Fürsorge, Mutterschaft und gesellschaftliche Verantwortung neu zu betrachten.

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