Albrecht von Hallers "Alfred, König der Angel-Sachsen" verbindet historische Erzählung, politische Reflexion und aufklärerische Moraldichtung. Im Mittelpunkt steht Alfred der Große, dessen Herrschaft angesichts von Krieg, innerer Zerrüttung und mangelnder Bildung als Prüfstein verantwortlicher Staatsführung erscheint. Haller interessiert sich weniger für eine detailgetreue Rekonstruktion des angelsächsischen Mittelalters als für die zeitlose Frage, wie Recht, Religion, Vernunft und Gemeinsinn eine Gesellschaft stabilisieren können. Der sachlich-erhabene Stil, die lehrhaften Betrachtungen und die rhetorisch gestalteten Reden verorten das Werk im Umfeld des europäischen Staats- und Fürstenromans des 18. Jahrhunderts; zugleich bewahrt es Züge der historiografischen Dichtung und des philosophischen Romans. Haller (1708–1777), Schweizer Arzt, Naturforscher, Hochschullehrer und bedeutender deutschsprachiger Dichter der Aufklärung, verband empirische Wissenschaft mit einem ausgeprägten Interesse an Ordnung, Freiheit und menschlicher Verantwortlichkeit. Seine Tätigkeit in Göttingen, seine Auseinandersetzung mit Religion und Politik sowie seine Beschäftigung mit historischen Staatsformen prägten die späten Prosawerke, zu denen auch "Alfred" gehört. Die angelsächsische Vergangenheit dient ihm dabei als exemplarischer Denkraum für die politischen und moralischen Probleme seiner eigenen Gegenwart. Empfohlen sei das Buch Leserinnen und Lesern, die historische Literatur nicht nur als Abenteuer, sondern als gedankliches Experiment verstehen. Es eröffnet einen aufschlussreichen Zugang zu Hallers politischem Denken und zeigt, wie die Aufklärung Geschichte nutzt, um Maßstäbe guter Herrschaft zu entwickeln.

Alfred - König der Angel-Sachsen : Ein Versdrama über Wikingerkriege, christliche Mission und Herrscherpflicht im frühmittelalterlichen England
Skrevet av Albrecht von Haller

