In dem "Wunderlichen Traum von einem großen Narrennest" entwirft Abraham a Sancta Clara eine barocke Traum- und Satirewelt, in der sich menschliche Torheit als gesellschaftliches Gesamtbild ausstellt. Der Traum dient dabei nicht bloß der phantastischen Verfremdung, sondern als erkenntniskritisches Verfahren: Aus der Perspektive des scheinbar Außenstehenden werden Standesdünkel, Habgier, Eitelkeit, Müßiggang und religiöse Heuchelei gleichermaßen bloßgelegt. Sprachlich verbindet das Werk drastische Bildlichkeit, überraschende Vergleiche, Sprichwörter, Wortspiele und volkstümliche Redestrukturen mit gelehrten Anspielungen. Damit steht es charakteristisch in der Tradition der deutschsprachigen Barocksatire und ihrer vanitas-Dichtung, deren Lachen stets auf moralische Umkehr zielt. Abraham a Sancta Clara, 1644 als Johann Ulrich Megerle geboren, war Augustiner-Barfüßer, gefragter Prediger und seit 1669 in Wien tätig; später wirkte er als kaiserlicher Hofprediger. Seine seelsorgerische Erfahrung, die Beobachtung einer konfessionell und sozial tief gegliederten Gesellschaft sowie die Krisenerfahrungen des späten 17. Jahrhunderts prägten sein Schreiben. In der Verbindung von Kanzelrhetorik, volksnaher Komik und scharfer Gesellschaftskritik suchte er, Missstände nicht nur zu benennen, sondern das Publikum zur Selbsterkenntnis zu bewegen. Dieses Buch empfiehlt sich Leserinnen und Lesern, die den literarischen Barock jenseits repräsentativer Poesie kennenlernen möchten. Es ist zugleich ein historisches Dokument und eine erstaunlich gegenwartsnahe Studie über kollektive Selbsttäuschung: unterhaltsam, sprachlich virtuos und moralisch unbequem.

Wunderlicher Traum von einem großen Narrennest : Volkssprachliche Predigtsatire über menschliche Torheit, klerikale Kritik und Gesellschaft im Wiener Barock
Skrevet av Abraham a Clara






















