Dieser Band enthält folgende Krimis:
Franklin Donovan: Trevellian, der Teufel und die Toten
Alfred Bekker: Kommissar Jörgensen und die Sturmernte
Jonas Herlin: Kommissar Bremshey und die kalte Strömung
Der Wind war der erste Bote. Er kam nicht wie der übliche, böige Geselle, der durch die Hamburger Straßenschluchten pfiff und den Damen die Hüte vom Kopf riss. Dieser Wind kam von weit her, aus der unendlichen Weite der Nordsee. Er war älter, schwerer und trug den Geruch von Salz, Schlick und einer tiefen, unruhigen Kälte in sich, selbst an diesem milden Oktobertag. Ich spürte ihn auf der Haut, als ich aus dem Präsidium trat, ein instinktives Kribbeln im Nacken, das die Küstenkinder von klein auf lernen. Es war ein Wind, der Geschichten von aufgewühlter See und hohen Fluten erzählte.
„Xaver II, nennen sie ihn in den Nachrichten“, sagte Roy, der neben mir stand und den Kragen seiner Jacke hochschlug. „Soll die schwerste Sturmflut seit der von ’62 werden. Die Deiche werden halten, sagen sie. Aber die Inseln und Halligen bekommen die volle Breitseite.“
Ich nickte nur und blickte in den Himmel. Er hatte eine seltsame, gelb-graue Farbe angenommen, als würde er das schmutzige Wasser der Elbe widerspiegeln. Ich hasste diese Art von Wetter. Es machte die Stadt nervös, reizbar. Es war, als würde das nahe Meer die Zivilisation daran erinnern, wie dünn die Kruste der Ordnung war, auf der wir tanzten.











