Im Ersten Weltkrieg kämpften jüdische Soldaten in den Armeen aller Kriegsparteien. Zugleich sahen sich auch die jüdischen Gemeinschaften in der ›Heimat‹ der beteiligten Nationen mit einer in diesem Ausmaß bisher ungekannten Herausforderung konfrontiert: Sie mussten ihre grenzüberschreitenden jüdischen Solidaritätsvorstellungen mit ihren staatsbürgerlichen Loyalitätsvorstellungen in Ausgleich bringen und (wenn notwendig) verteidigen. Verschärft wurde dieses Dilemma durch die humanitäre Lage der jüdischen Zivilbevölkerung in Osteuropa, durch deren Siedlungsgebiet die östliche Kriegsfront verlief – eine Konstellation, die wiederum selbst nicht ohne Rückwirkungen auf die Debatten der Juden in Europa und den USA blieb. Indem die Studie jüdische Kriegserfahrungen aus dem deutschsprachigen und dem angloamerikanischen Raum analysiert, kann sie die Deutungskämpfe über verschiedene Vorstellungen und Praktiken des Jüdischseins während des Krieges erstmals systematisch-vergleichend gegenüberstellen. Dabei gelingt es ihr insbesondere auch, die Dynamiken zwischen den jüdischen Akteuren und deren Handlungsspielräume in den Fokus zu rücken. Insgesamt leistet die Studie damit einen wichtigen Beitrag dazu, das Narrativ einer für das 20. Jahrhundert oft vereinfacht dargestellten jüdischen Untergangsgeschichte (Deutschland, Österreich) einerseits und einer jüdischen Erfolgsgeschichte (Großbritannien, USA) andererseits aufzubrechen und der historiografischen Sogwirkung der Erfahrungen des Holocaust und des Zweiten Weltkriegs zu entziehen.
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Autor*in:
Reihe:
Veröffentlichungen des Instituts für Europäische Geschichte MainzSprache:
Deutsch
Format:

Unversöhnte Verschiedenheit : Verfahren zur Bewältigung religiös-konfessioneller Differenz in der europäischen Neuzeit
Johannes Paulmann, Matthias Schnettger, Thomas Weller

Predigt im Ersten Weltkrieg : La prédication durant la « Grande Guerre »

Johann Arndts Paradiesgärtlein : Eine Untersuchung zu Entstehung, Quellen, Rezeption und Wirkung
Jeung Keun Park

»Beruf und Berufung« : Die evangelische Geistlichkeit und die Konfessionsbildung in den Herzogtümern Pommern, 1560–1618
Maciej Ptaszyński

Zwischen Dynastie und Staatsräson : Die habsburgischen Botschafter in Wien und Madrid am Beginn des Dreißigjährigen Krieges
Ulrich Nagel

Eine kleine Kirche in Europa : Die Tschechoslowakische Hussitische Kirche im Wandel zwischen Nationalkirche und europäischem kirchlichen Akteur
Daniel Jurek

Konfessionelle Theologie und Migration : Die Antwerpener Gemeinde Augsburger Konfession im
Carsten Brall

Die europäische Debatte über den Religionskrieg (1679–1714) : Konfessionelle Memoria und internationale Politik im Zeitalter Ludwigs XIV
Christian Mühling

Wien und London, 1727–1735 : Internationale Beziehungen im frühen 18. Jahrhundert
Charlotte Backerra

Moralische Erneuerung : Korruption und bürokratische Reformen in Bayern und Preußen, 1780-1820
Robert Bernsee

Die Afrikaexperten : Das Internationale Afrikainstitut und die europäische Afrikanistik, 1926–1976
Stefan Esselborn

Humanitäre Hilfe und Interessenpolitik : Die Institutionalisierung der westdeutschen humanitären Hilfe während des Vietnamkriegs (1965-1973)
Michael Vössing
