Im Reich der Dominanz versammelt zwei kanonische, zugleich zutiefst kontroverse Stimmen der europäischen erotischen Literatur, deren Erzählwelten Macht, Begehren, Unterwerfung und Grenzüberschreitung ausloten. Zwischen philosophisch zugespitzter Provokation, psychologischem Rollenspiel und finsterer Gesellschaftssatire entfaltet sich ein Spektrum, das BDSM nicht als bloßes Motiv, sondern als literarische Untersuchung von Freiheit, Zwang und Identität lesbar macht. Die Texte führen in Räume der Inszenierung und des Vertrages ebenso wie der exzessiven Regelverletzung. Leopold von Sacher-Masoch und der Marquis de Sade stehen an unterschiedlichen historischen Endpunkten der Aufklärung und des 19. Jahrhunderts. De Sades radikale Kritik an Moral, Religion und gesellschaftlicher Autorität verbindet sich mit einer Poetik des Extrems; Sacher-Masochs Werk richtet den Blick stärker auf Fantasie, symbolische Herrschaft und die ambivalente Beteiligung der begehrenden Subjekte. Ihre Namen prägten später die Begriffe Sadismus und Masochismus, doch die Sammlung lädt dazu ein, diese Kategorien in ihrer literarischen und kulturellen Komplexität zu hinterfragen. Dieser Band empfiehlt sich Leserinnen und Lesern, die die Genealogie erotischer Machtphantasien kritisch erkunden möchten. Er eröffnet auf engem Raum einen aufschlussreichen Dialog zweier Stile und Epochen und macht sichtbar, wie Literatur zugleich verstören, analysieren und historische Vorstellungen von Körper, Begehren und Verantwortung zur Diskussion stellen kann.

Im Reich der Dominanz : Klassische Novellen über Machtspiele, Libertinage, freiwillige Unterwerfung und Begehren
Geschrieben von Leopold von Sacher-Masoch und Marquis De Sade











