Dass gedruckte Literatur nicht in stummer Lektüre zu rezipieren sei, sondern erst im performativen Modus der lebendigen Rede ihr ästhetisches Potential voll entfalte, ist eine Überzeugung, die um 1800 vielfach geäußert wird. In der vorliegenden Studie wird die deutschsprachige Deklamationsbewegung erstmals umfassend untersucht und, eine praxeologische Perspektive einnehmend, in ihre sozialhistorischen und ästhetischen Kontexte eingebettet. ›Deklamation um 1800‹ bezeichnet eine im deutschsprachigen Raum florierende literarische Bewegung, die sich von etwa 1770 bis in die 1830er Jahre hinein großer Beliebtheit erfreut. Deklamation wird dabei zum Namen für eine besondere Form der Literaturperformance, bei der gedruckte Literatur nach bestimmten ästhetischen Prinzipien mündlich vor Publikum dargeboten wird. In stadtbürgerlichen Salons, in Lesegesellschaften oder aber als ›deklamatorisches Konzert‹ wird die ganze Bandbreite literarischer Gattungen deklamiert, vom Gedicht bis hin zu Prosatexten. Nicht zuletzt wird die Deklamationsbewegung ausgiebig publizistisch begleitet und es werden Versuche unternommen, die Deklamation als eine eigenständige Kunstform kunstästhetisch zu begründen. Die vorliegende Studie untersucht die Deklamationsbewegung insbesondere vor dem Hintergrund eines sich bildenden Bürgertums um 1800 und zeigt auf, dass das deklamierende Sprechen zu einem Vehikel bürgerlicher Identitätsbildung und zu einem Experimentierfeld zur Einübung von Sprechnormen wird.
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Autor*in:
Reihe:
Band 960 in Epistemata LiteraturwissenschaftSprache:
Deutsch
Format:

Rassenmutter und Rebellin : Hexenbilder in Romantik, völkischer Bewegung, Neuheidentum und Feminismus

Ach, nur ‘n bisschen Liebe : Männliche Homosexualität in den Romanen deutschsprachiger Autoren in der Zwischenkriegszeit 1919 bis 1939

Spuren : Karl Philipp Moritz in der Literatur und Kultur um 1800

»Schon liefert meine Muse mir mit süßlicher Stimme ihr Thema; es lautet: Mensch ohne Leib, sowie Leib ohne Mensch«

Natur und Nation : Landschaft als Ausdruck nationaler Identität im 19. Jahrhundert – der Rhein und der Hudson River

Ehe um 1800 : Ein Beitrag zur Wissensgeschichte

Neofantastik : Die Evolution fantastischen Erzählens im 20. Jahrhundert

Erlösung der Welt durch Essayismus : Robert Musils literarisches Denken im Kontext der Modernekritik

Ko-Operationen : Zur literarischen Produktionsgemeinschaft von Clemens Brentano und Luise Hensel

Die Kunst der Selbstoffenbarung bei Deborah Levy und Annie Ernaux : Form, Funktion und Grenzen autobiografischer Exposition

Ehe, Familie und Emanzipation : Erfolgsromane von Frauen zwischen 1850 und 1900
